Sechs Millionen Posts haben ORF-Journalisten ausgewertet. Was sie fanden, ist ein Lehrstück über die Verwundbarkeit öffentlicher Medien: Im August 2025 erschienen nach einem Gaza-Bericht auf der ZiB-Instagramseite rund 200 Kommentare – gleichzeitig, koordiniert, dämonisierend. Kein spontaner Shitstorm. Eine Kampagne.

Extremismusforscherin Julia Ebner nennt es „koordinierte Verzerrung”: Bots und gesteuerte Accounts überfluten Kommentarspalten, bis die algorithmische Gewichtung kippt. Was die Mehrheit denkt, wird unsichtbar. Was die Kampagne will, wird sichtbar. Die Manipulation funktioniert nicht durch Lügen, sondern durch Lautstärke.

In Wer träumt für uns ist das der „Erwartungseffekt”: POLIS erkennt, dass öffentliche Meinung nicht gemessen, sondern erzeugt werden kann – nicht durch falsche Inhalte, sondern durch die richtige Dosierung echter Stimmen. Was in den Kommentarspalten der ZiB passiert, ist die analoge Vorstufe dessen, was POLIS im Roman auf institutioneller Ebene perfektioniert. Die Werkzeuge sind primitiver. Die Logik ist dieselbe.

Quelle: Der Standard – Bot-Angriffe auf „ZiB”: Extremismusforscherin über „dämonisierende” Hasspostings