Warum läuft die Zeit vorwärts? Auf der Ebene der fundamentalen Gesetze ist das keine triviale Frage: Die Gleichungen der Mikrophysik funktionieren in beide Richtungen. Der Zeitpfeil, den wir erleben, entsteht erst statistisch. Genau an dieser Stelle setzt eine Arbeit an, die Luis Pedro García-Pintos (Los Alamos) mit Kollegen von NIST und der University of Maryland in Physical Review X veröffentlicht hat: „Reshaping the Quantum Arrow of Time“.
Die Idee: Ein Quantensystem wird kontinuierlich gemessen, und ein Kontrollprotokoll greift per Feedback in seine Entwicklung ein. Je nach Protokoll lassen sich die stochastischen Trajektorien des Systems so formen, dass der wahrgenommene Zeitpfeil schärfer wird, verschwimmt oder sich umkehrt: Das System durchläuft Prozesse, die konsistenter mit rückwärts laufender Zeit sind als mit vorwärts laufender. Als Zugabe konstruieren die Autoren daraus einen „Messmotor“, der Energie aus dem Messprozess selbst extrahiert.
Wichtig für alle, die jetzt an Zeitmaschinen denken: Niemand reist hier irgendwohin. Es geht um die Frage, woran man die Richtung der Zeit überhaupt erkennt, wenn man nur die Trajektorie eines Systems sieht, und darum, dass diese Erkennbarkeit manipulierbar ist. Das ist philosophisch fast beunruhigender als eine Zeitmaschine: Der Zeitpfeil ist kein Naturgesetz erster Klasse, sondern eine Eigenschaft, die man einem System aufprägen oder nehmen kann.
Für meinen zweiten Roman 8 Bytes of Hope ist das der Resonanzboden: Wenn die Richtung der Zeit auf der fundamentalen Ebene verhandelbar ist, wird die Frage, was sich rückwärts durch sie schicken lässt, zur Ingenieursfrage. Im Buch sind es acht Bytes. Die Physik dazu gibt es unter 8 Bytes of Hope.