Seth Lazar und Mariano-Florentino Cuéllar haben für die Carnegie Stiftung eine der wichtigsten Analysen zum Verhältnis von KI und Demokratie vorgelegt. Ihre zentrale These: „Kernfunktionen der Demokratie – Agenda-Setting, Willensbildung, verbindliche Entscheidung – können nicht ausgelagert werden, ohne das zu untergraben, was sie wertvoll macht.”
Die Autoren sehen durchaus Potenzial: KI-Agenten könnten als „kognitive Prothesen” dienen, die Bürgern helfen, Komplexität zu navigieren, und als Schutzschilde gegen Manipulation fungieren. Aber die Risiken überwiegen, wenn demokratische Staaten die Kontrolle verlieren: wirtschaftliche Verdrängung, die populistische Wut befeuert; Überwachungskapazitäten, die autoritäre Führer stärken; KI-kontrollierte Bürokratien, die demokratische Kontrolle umgehen.
Das ist exakt die Tragödie von POLIS in Wer träumt für uns: Ein System, das als kognitive Prothese für die Demokratie gedacht war, wird zur Prothese, die den Körper ersetzt. Die Carnegie-Analyse liefert den theoretischen Rahmen für das, was der Roman erzählerisch durchspielt.
Quelle: Carnegie Endowment – AI Agents and Democratic Resilience
