Mein zweiter Roman, 8 Bytes of Hope, beginnt mit einer Physikerin in einem Bunker und einem Signal, das es nicht geben dürfte: einer Botschaft aus dem Jahr 2146. Acht Bytes, mehr passt nicht durch die Zeit. Die naheliegende Frage, die mir seit Erscheinen am häufigsten gestellt wird: Ist das komplett ausgedacht, oder gibt es Physik dahinter?

Die ehrliche Antwort: mehr Physik, als einem lieb sein kann. Die Allgemeine Relativitätstheorie erlaubt sogenannte geschlossene zeitartige Kurven (closed timelike curves), also Pfade durch die Raumzeit, die in ihre eigene Vergangenheit zurückführen. Sie entstehen in den Gleichungen unter extremen Bedingungen, etwa bei passierbaren Wurmlöchern oder rotierenden kosmischen Strings. David Deutsch hat 1991 gezeigt, dass Quantensysteme auf solchen Kurven widerspruchsfrei beschrieben werden können: Das Großvater-Paradoxon verschwindet, wenn man nur selbstkonsistente Zustände zulässt. Und ein Team um Seth Lloyd hat eine alternative Formulierung, Zeitreise durch Teleportation mit Nachauswahl, sogar experimentell simuliert.

Nichts davon bedeutet, dass man eine Nachricht ins Jahr 1914 schicken kann. Aber die Grundidee des Romans, dass Information statt Materie rückwärts reist, und zwar extrem wenig davon, ist die Variante, die der theoretischen Physik am wenigsten widerspricht. Acht Bytes sind ein Kompromiss mit den Gleichungen. Und sie erzwingen die eigentliche Frage des Buchs: Wenn man nur ein Ziel benennen kann, welches wählt man?

Die Antwort des Romans ist Sarajevo, 28. Juni 1914. An diesem Tag lösten zwei Schüsse eine Kettenreaktion aus, an deren Ende zwei Weltkriege, hundert Millionen Tote und die Landkarte unserer Gegenwart standen. Kontrafaktische Geschichte ist unter Historikern zu Recht umstritten: Vielleicht war der Krieg überdeterminiert, vielleicht hätte ein anderer Funke gezündet. Genau diese Unsicherheit ist der Kern des Buchs. Vera Hertz muss nicht nur die Physik lösen, sondern eine Wette auf die Geschichte eingehen, mit ihrer eigenen Existenz als Einsatz. Denn wer das 20. Jahrhundert umschreibt, löscht alle, die darin geboren wurden. Sich selbst eingeschlossen.

8 Bytes of Hope ist als englischsprachige Originalausgabe erschienen. Hier gibt es die Leseprobe.

Quellen