90 Prozent der europäischen digitalen Infrastruktur laufen auf US-Servern. Der CLOUD Act erlaubt US-Behörden den Zugriff auf diese Daten – unabhängig davon, wo sie gespeichert sind. Das steht in direktem Widerspruch zur DSGVO. Drei US-Firmen kontrollieren 70 Prozent des europäischen Cloud-Markts. Europäische Anbieter halten noch 15 Prozent – 2017 waren es 29.
Es gibt Gegenbewegungen: Österreichs Bundesministerium hat 1.200 Mitarbeiter in vier Monaten auf Nextcloud migriert. Schleswig-Holstein stellt 30.000 Beamte auf LibreOffice um. Der Internationale Strafgerichtshof ersetzte Microsoft Office durch OpenDesk. Aber Gaia-X, Europas großes Souveränitätsprojekt, scheiterte – auch weil Microsoft, Google und AWS sich erfolgreich hineinlobbyiert hatten.
In Wer träumt für uns wird POLIS an einer deutschen Universität entwickelt – aber über Prometheus Consulting und DataBridge Solutions fließen die Daten durch irische Shell-Gesellschaften. Die Infrastruktur gehört nie dem, der sie nutzt. Der Roman zeigt, was passiert, wenn digitale Souveränität eine Illusion ist: Wer die Server kontrolliert, kontrolliert die Daten. Wer die Daten kontrolliert, kontrolliert die Entscheidungen.
Quellen:
The Register – Europe gets serious about cutting digital umbilical cord
ECFR – A European plan to escape American technology
CEPA – Digital Sovereignty: Can Europe Afford It?