Der Verfassungsschutz Baden-Württemberg formuliert es in seiner aktuellen Einschätzung nüchtern: Für 2026 sei zu erwarten, dass in- und ausländische Akteure Desinformation verbreiten, „insbesondere durch KI-generierte Inhalte und Deepfakes“. Täuschend echte Audioaufnahmen von Kandidaten, KI-generierte Anrufe mit Politikerstimmen, gefälschte Nachrichtenseiten: alles keine Zukunftsszenarien mehr, sondern Lagebild. Eine eigene Taskforce Desinformation stellt inzwischen Aufklärungsmaterial für Bürgerinnen und Bürger bereit.

Bemerkenswert ist daran zweierlei. Erstens die Verschiebung der Bedrohung: Gefährlich ist nicht mehr nur die einzelne Fälschung, sondern der Nebel, den sie erzeugt. Wenn jedes Bild gefälscht sein könnte, kann auch jedes echte Bild zur Fälschung erklärt werden. Dieser „Lügner-Bonus“, über den ich im März geschrieben habe, ist inzwischen Standardvokabular der Sicherheitsbehörden. Zweitens die Rollenverschiebung: Eine Behörde, die für Spionageabwehr gegründet wurde, erklärt jetzt Schulklassen, woran man KI-Bilder erkennt. Medienkompetenz ist Verfassungsschutz geworden. Das kann man begrüßen, und sollte trotzdem erschrecken.

Denn die Aufklärung erreicht die, die zuhören. Die Kampagnen zielen auf die anderen. Untersuchungen zu politischen Deepfakes zeigen einen klaren Trend: Sie dienen vor allem dazu, politische Gegner zu diskreditieren. Nicht, um zu überzeugen, sondern um Vertrauen zu zersetzen, bevor die Echtheitsfrage überhaupt gestellt wird.

In Wer träumt für uns ist dieser Zustand Alltag: Berlin 2038 streitet nicht mehr über Fakten, sondern über die Frage, wessen Prognose die Wirklichkeit beschreiben darf. Der Weg dorthin führt nicht über eine große Lüge, sondern über tausend kleine Zweifel. Das Wahljahr 2026 liefert die Trittsteine.

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